Haarausfall durch Haarefärben: Wie schädlich ist Färben wirklich?
Nach dem Färben liegen plötzlich mehr Haare in der Bürste oder im Abfluss und schnell steht der Verdacht im Raum, dass die Haarfarbe schuld ist. Tatsächlich kann Färben das Haar belasten, allerdings ist nicht jedes ausgefallene Haar ein Zeichen für echten HaarausfallHäufig handelt es sich vielmehr um geschädigte Haare, die leichter abbrechen. Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung zwischen Haarbruch und tatsächlichem Haarausfall.
Kann Haarefärben Haarausfall verursachen?
Normales Färben wirkt in erster Linie auf den bereits sichtbaren Haarschaft und nicht direkt auf die Haarwurzel. Haarfarben können die Struktur des Haares verändern und insbesondere bei häufigen oder intensiven chemischen Behandlungen zu einer stärkeren Belastung des Haarschafts führen. Untersuchungen zeigen unter anderem Veränderungen an der äußeren Schuppenschicht und eine geringere Widerstandsfähigkeit des Haares.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Färben automatisch Haarausfall verursacht. Wenn nach dem Färben mehr Haare im Waschbecken liegen, kann es sich zunächst um Haarbruch handeln. Eine Ausnahme sind stärkere Reaktionen der Kopfhaut. Eine allergische Kontaktdermatitis durch Haarfarbe kann mit einer Entzündungsreaktion einhergehen und in seltenen Fällen auch mit verstärktem Haarausfall verbunden sein. In der medizinischen Literatur sind beispielsweise Fälle von Haarausfall nach einer allergischen Reaktion auf Haarfarbe beschrieben.
Außerdem muss ein zeitlicher Zusammenhang nicht automatisch bedeuten, dass die Haarfarbe die Ursache ist. Haarausfall kann viele verschiedene Auslöser haben. Dazu gehören beispielsweise Stress, hormonelle Veränderungen oder andere körperliche Belastungen. Auch saisonale Schwankungen des Haarverlusts sind möglich.
Haarausfall oder Haarbruch? So erkennt man den Unterschied
Wer nach dem Färben mehr Haare verliert, sollte zunächst genauer hinschauen. Ein ausgefallenes Haar stammt aus dem Haarfollikel und besitzt an einem Ende häufig eine kleine, hellere Verdickung. Ein abgebrochenes Haar hat dagegen keine solche Wurzelstruktur.
Auch die Länge kann einen Hinweis geben. Viele unterschiedlich kurze Haarstücke in Bürste, Waschbecken oder Kleidung sprechen eher für Haarbruch. Besonders nach Blondierungen oder häufigem chemischem Färben kann das Haar spröder werden und leichter abbrechen. Chemische Behandlungen wie Färben und Bleichen können die Struktur des Haarschafts nachweislich verändern.
Wichtig: Wer dagegen feststellt, dass über längere Zeit auffällig viele Haare mit einer kleinen Wurzel ausfallen oder die Haardichte insgesamt abnimmt, sollte die Ursache nicht allein bei der Haarfarbe suchen.
Welche Haarfarben sind besonders belastend?
Nicht jede Art der Farbveränderung beansprucht das Haar in gleichem Maß. Entscheidend sind unter anderem die verwendeten Chemikalien, die Einwirkzeit und wie häufig die Behandlung wiederholt wird.
Allergie gegen Haarfarbe: Wenn die Kopfhaut reagiert
Eine allergische Reaktion auf Haarfarbe zeigt sich nicht unbedingt sofort. Typische Beschwerden können Juckreiz, Brennen, Rötung oder Schwellungen an der Kopfhaut, am Haaransatz, an Ohren oder im Nacken sein. Ein besonders bekannter Allergieauslöser ist p-Phenylendiamin, kurz PPD. Daneben können auch andere Bestandteile von Haarfarben allergische Reaktionen auslösen.
Bei einer stärkeren allergischen Reaktion kann die Kopfhaut deutlich entzündet sein. In einzelnen Fällen kann eine solche Entzündung auch mit vorübergehend verstärktem Haarausfall einhergehen.
Wann ärztliche Hilfe wichtig ist: Starke Schwellungen, insbesondere im Gesicht, nässende Haut, Blasen oder ausgeprägte Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei Atemproblemen oder einer schnell zunehmenden Schwellung ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
So schützt man Haar und Kopfhaut beim Färben
Eine möglichst schonende Anwendung kann dazu beitragen, unnötige Belastungen für Haar und Kopfhaut zu vermeiden.
- Tipp 1: Herstellerhinweise zum Allergietest beachten Vor der Anwendung sollten die Hinweise des jeweiligen Herstellers genau beachtet werden. Viele Haarfarben enthalten einen Hinweis auf einen Allergie- oder Verträglichkeitstest vor der Anwendung. Wichtig ist, solche Tests nicht eigenständig häufiger oder anders durchzuführen als vom Hersteller vorgesehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass auch ein Hauttest mit Haarfärbemitteln eine Sensibilisierung auslösen kann. Wer bereits einmal auf Haarfarbe reagiert hat, sollte nicht einfach ein anderes Produkt ausprobieren, sondern die Ursache ärztlich abklären lassen.
- Tipp 2: Abstände zwischen den Färbungen einhalten Je häufiger das Haar chemisch behandelt wird, desto größer kann die Belastung für den Haarschaft werden. Deshalb sollte die nächste Färbung nicht unnötig früh erfolgen. Gerade bei trockenem, porösem oder bereits blondiertem Haar lohnt es sich, zwischen den Anwendungen ausreichend Zeit zu lassen.
- Tipp 3: Nur den Ansatz nachfärben Wenn lediglich der Ansatz nachgewachsen ist, muss nicht bei jeder Anwendung das gesamte Haar erneut behandelt werden. Eine gezielte Ansatzbehandlung kann die bereits gefärbten Längen und Spitzen vor einer zusätzlichen chemischen Belastung bewahren. Besonders bei längerem oder bereits strapaziertem Haar kann das einen Unterschied machen.
- Tipp 4: Nicht auf gereizter oder verletzter Kopfhaut färben Bei Kratzern, Sonnenbrand, offenen Stellen oder einer bereits gereizten Kopfhaut sollte mit dem Färben gewartet werden. Die Kopfhaut sollte vor der Behandlung möglichst intakt sein. Auch starkes Kratzen unmittelbar vor dem Färben kann die Haut zusätzlich reizen.
- Tipp 5: Nach dem Färben auf Pflege setzen Nach einer chemischen Behandlung kann eine passende Pflege dazu beitragen, dass sich das Haar weniger trocken und spröde anfühlt. Conditioner, Haarmasken und milde Pflegeprodukte können je nach Haarstruktur sinnvoll sein. Auch die Kopfhaut sollte nicht unnötig mit vielen verschiedenen Produkten belastet werden. Bei empfindlicher Kopfhaut ist eine möglichst einfache Pflegeroutine häufig die bessere Wahl.
Was tun, wenn nach dem Färben die Haare ausfallen?
Wenn unmittelbar nach dem Färben mehr Haare in der Bürste landen, muss zunächst nicht in Panik geraten werden. Besonders bei geschädigtem Haar kann es sich um Haarbruch handeln. In diesem Fall sollte das Haar zunächst möglichst schonend behandelt werden.
Weitere chemische Behandlungen können für eine Weile pausiert werden. Auch Hitze durch Glätteisen oder sehr heißes Föhnen sollte möglichst reduziert werden. Eine sanfte Pflege kann dabei helfen, das Haar vor zusätzlicher mechanischer Belastung zu schützen.
Wenn gleichzeitig Juckreiz, Brennen, Rötung oder Schwellungen der Kopfhaut auftreten, spricht mehr für eine Reaktion der Kopfhaut. In diesem Fall sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Auch wenn der Haarausfall über mehrere Wochen anhält, deutlich zunimmt oder kahle beziehungsweise sichtbar ausgedünnte Stellen entstehen, ist eine dermatologische Untersuchung sinnvoll. So lässt sich feststellen, ob tatsächlich ein behandlungsbedürftiger Haarausfall vorliegt oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Zur unterstützenden Pflege der Kopfhaut kann Rezilin in die Pflegeroutine integriert werden. Die Haarkur eignet sich auch für gefärbtes und blondiertes Haar.
Fazit
Haarefärben greift in erster Linie den Haarschaft an und kann bei häufiger oder intensiver Anwendung Haarstruktur und Widerstandsfähigkeit beeinträchtigen. Was nach dem Färben wie Haarausfall aussieht, ist deshalb nicht selten Haarbruch.
Echter, verstärkter Haarausfall kann dagegen insbesondere dann auftreten, wenn die Kopfhaut stark entzündet oder allergisch reagiert. Wer ausreichend Abstand zwischen den Färbungen lässt, die Kopfhaut schont und das Haar regelmäßig pflegt, muss deshalb grundsätzlich nicht auf das Färben verzichten.
Häufige Fragen
Wie oft darf man die Haare färben?
Eine pauschale Anzahl lässt sich nicht für alle Haare festlegen. Entscheidend sind unter anderem der Zustand des Haares, die verwendete Farbe und die Art der Behandlung. Bei stark strapaziertem oder bereits blondiertem Haar sollten zusätzliche chemische Behandlungen möglichst reduziert werden.
Wachsen die Haare nach Haarausfall durch Färben wieder nach?
Das hängt von der Ursache des Haarausfalls ab. Vorübergehender Haarausfall im Zusammenhang mit einer Reizung oder Entzündung der Kopfhaut kann sich wieder normalisieren. Bei anhaltendem oder starkem Haarausfall sollte die Ursache dermatologisch abgeklärt werden.
Ist Pflanzenhaarfarbe schonender?
Pflanzenhaarfarben können anders zusammengesetzt sein als oxidative Haarfarben. Daraus lässt sich jedoch nicht pauschal ableiten, dass sie für jeden Menschen oder jedes Haar schonender sind. Auch natürliche Farbstoffe können Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen auslösen.
Kann man Rezilin bei gefärbtem Haar anwenden?
Nach den Herstellerangaben kann Rezilin auch bei gefärbtem und blondiertem Haar angewendet werden. Bei einer gereizten oder verletzten Kopfhaut sollte zunächst die Ursache der Beschwerden geklärt werden.
He Y., Cao Y., Nie B., Wang J. (2023): Mechanisms of impairment in hair and scalp induced by hair dyeing and perming and potential interventions. Review zum Zusammenhang zwischen Haarfärbung, Haarschaft und Kopfhaut.
Grosvenor A. J. et al. (2018): The physical and chemical disruption of human hair after bleaching: studies by transmission electron microscopy and redox proteomics. Untersuchung der strukturellen Veränderungen und Belastung des Haares durch Blondierung.
Lee W. S. et al. (2002): An ultrastructural study of hair fiber damage and restoration following treatment with permanent hair dye. Untersuchung struktureller Veränderungen des Haarschafts nach Behandlung mit permanenter Haarfarbe.